
1. Mein Weg beginnt
Mein Leben ist von drei Begriffen geprägt:
Weg, Ziel und Vision.
Schon früh musste ich lernen, dass wir nicht alle Voraussetzungen unseres Lebens selbst bestimmen können. Aber wir können beeinflussen, wie wir mit ihnen umgehen und welchen Weg wir daraus entwickeln.
Asthma und meine ersten Grenzen
Als Kind litt ich unter sehr schwerem Asthma. Schon alltägliche körperliche Belastungen konnten für mich schwierig sein. Andere Kinder waren schneller, belastbarer und beweglicher als ich. Wegen meiner Einschränkungen erlebte ich auch Ausgrenzung.
Doch ich hatte einen entscheidenden Menschen an meiner Seite:
meine Mutter.
Als Lehrer ihr nahelegten, mich von der Schule zu nehmen, machte sie mir deutlich, dass die Einschätzung anderer Menschen nicht zu meiner eigenen Wahrheit werden musste.
Von ihr lernte ich einen Satz, der mich bis heute begleitet:
Andere Menschen dürfen eine Meinung über mich haben. Aber sie entscheiden nicht darüber, welchen Weg ich gehen kann.
Ich schaffte meinen Realschulabschluss.
Das Asthma war nicht verschwunden und ist immer noch da.
Aber ich hatte begonnen, meinen eigenen Weg zu finden.
Menschen, die mich begleiteten
Meine Jugend verlief keineswegs geradlinig.
Ich probierte vieles aus, was mir einen Kick versprach, darunter auch Drogen, und bewegte mich zeitweise in Kreisen, die mir nicht guttaten.
Gleichzeitig gab es Menschen, denen ich vertrauen konnte.
Mehrere Männer begleiteten mich als Mentoren. Einer von ihnen war Pastor. Sie hörten mir zu, stellten Fragen, berieten mich und halfen mir, neue Möglichkeiten zu erkennen.
Mit 19 Jahren wurde ich Christ. Für mich war das damals ein entscheidender Wendepunkt. Ich beendete meinen Drogenkonsum und löste mich zunehmend aus den destruktiven Strukturen, in denen ich mich bewegt hatte. Inzwischen weiß ich, dass Christ weitaus mehr, als Religion ist.
Meine Mentoren entschieden mein Leben nicht für mich.
Sie halfen mir vielmehr dabei, selbst bessere Entscheidungen zu treffen.
Durch ihre Begleitung fand ich schließlich eine Ausbildungsstelle bei einer kleinen Spedition im beschaulichen Bunderneuland und absolvierte ab 1989 erfolgreich meine Ausbildung zum Speditionskaufmann.
Diese Erfahrung prägt mein Verständnis von Begleitung bis heute:
Ein guter Begleiter schreibt einem Menschen nicht vor, wohin er gehen soll. Er hilft ihm dabei, seine eigenen Möglichkeiten und Wege zu erkennen.

Verantwortung übernehmen
1992 übernahm ich eine Position als Büroleiter in den neuen Bundesländern.
Die deutsche Wiedervereinigung lag erst kurze Zeit zurück, und mich reizte die Herausforderung, beruflich in einer Region tätig zu werden, in der vieles im Wandel war.
Kurz nach meiner Ankunft bekam ich den Schlüssel zu einer kleinen Niederlassung und eine klare Vorgabe:
Innerhalb eines halben Jahres sollte das Büro schwarze Zahlen schreiben.
Das Ziel war damit klar.
Aber inzwischen hatte ich bereits etwas gelernt:
Ein Ziel allein reicht nicht. Man braucht auch einen Weg dorthin.
Ich analysierte den Markt, entwickelte eigene Vorgehensweisen und entschied mich bewusst dafür, nicht einfach das zu tun, was alle anderen machten. Der eigene individuelle Weg führte zum Erfolg:
Nach drei Monaten schrieb unsere Niederlassung schwarze Zahlen.
Aus einem Büro wurden später drei Standorte mit mehr als zehn internationalen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.
Damit begann für mich nicht nur eine Zeit wirtschaftlicher Verantwortung, sondern auch meine erste intensive Auseinandersetzung mit Führung.
Ich wollte mich nicht über mein Team stellen.
Ich wollte meine Kolleginnen und Kollegen so begleiten, dass sie sich weiterentwickeln konnten, Verantwortung übernahmen und erlebten, dass Arbeit mehr sein kann als das bloße Erledigen von Aufgaben.
Auch damals sprach ich mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bereits über Ziele und Visionen.
Denn ich hatte selbst erfahren:
Es verändert etwas, wenn ein Mensch weiß, wohin er möchte – und den Mut entwickelt, seinen eigenen Weg dorthin zu gehen.
Bis 2004 blieb ich in der Speditionsbranche.
Dann nahm mein Leben eine Richtung, mit der ich selbst nicht gerechnet hatte.
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